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Banjul/Berlin. Die Diskussion über Abschiebungen gambischer Staatsangehöriger aus Deutschland hat in den vergangenen Wochen erneut an Dynamik gewonnen. Hintergrund sind aktuelle Berichte über einen weiteren Abschiebeflug aus Frankfurt nach Banjul sowie neue Zahlen, die das Ausmaß der Rückführungen der vergangenen Jahre verdeutlichen. 

Deutschland schiebt seit 2018 über 1.300 Gambier ab, obwohl Bundespräsident Steinmeier auf seinem Besuch in Gambia 2017 noch klar gesagt hatte, das es nicht geplant sei, Gambier abzuschieben.

Nach aktuellen Angaben lebten im Jahr 2025 rund 16.625 Gambier in Deutschland. Die tatsächlichen Zahlen sind vermutlich höher. Viele von ihnen verfügen über einen gesicherten Aufenthaltsstatus, arbeiten in Industrie, Pflege, Gastronomie, Logistik oder Handwerk und unterstützen ihre Familien in Gambia regelmäßig durch Geldüberweisungen. In Gambia selbst werden die Rückkehrer häufig  ausgegrenzt.

Deportierte Rückkehrer in Gambia als "Versager" ausgegrenzt

Viele kehren nach Jahren in Europa mit großen persönlichen Enttäuschungen zurück. Nicht selten haben Familien erhebliche Summen investiert, um die Migration ihrer Angehörigen zu finanzieren. Es wird erwartet, dass diese Aufwendungen mit "Zins" zurückgezahlt werden. Wer mit leeren Händen kommt und nichts zu bieten hat, ist nicht mehr wilkommen. Das ist besonders schwierig, da es kein staatliches System gibt, wo mittellose Menschen unterstützt werden, sondern hier greift nur der Zusammenhalt der Familie. Ein "Versager" wird hier oft ausgeschlossen. Die erzwungene Rückkehr bedeutet daher für viele Betroffene einen schwierigen Neuanfang.

Aktuelle Zahlen über gambische Migranten in Deutschland

Die Migrationsmuster haben sich geändert. Während die Zahl der Asylanträge gambischer Staatsbürger im Jahr 2016 mit 5.656 Anträgen ihren Höchststand erreichte, ist sie in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. Gleichzeitig gewinnen legale Einwanderungswege zunehmend an Bedeutung.

Die Zahlen wurden im Rahmen des „Migration Evidence Forum“ vorgestellt. Demnach erfolgten seit 2018 insgesamt 41 Charterflüge nach Gambia, mit denen 578 Personen zurückgeführt wurden. Weitere Abschiebungen fanden über reguläre Linienflüge statt. Auffällig ist dabei, dass rund 77 Prozent aller Abschiebungen erst nach 2022 durchgeführt wurden. Damit markieren die letzten Jahre den intensivsten Zeitraum deutscher Rückführungspolitik gegenüber Gambia.

Trotz der steigenden Abschiebungszahlen bleibt die gambische Gemeinschaft in Deutschland vergleichsweise stabil. Im Jahr 2025 lebten rund 16.625 Gambier in Deutschland. Die Zahl hatte sich bereits zwischen 2012 und 2016 während der großen Migrationsbewegungen mehr als vervierfacht. Seitdem bewegt sie sich auf einem ähnlichen Niveau. Neue Einwanderung und Rückkehr gleichen sich weitgehend aus. Während in den Jahren der sogenannten Flüchtlingskrise viele Gambier Asyl beantragten, hat sich das Bild inzwischen verändert. Die Zahl der Asylanträge ist deutlich zurückgegangen. Gleichzeitig gewinnen legale Einwanderungswege an Bedeutung.

Gültige Aufenthaltstitel für Gambier in Deutschland, so siehts aus.

So stieg die Anzahl der von der deutschen Botschaft in Dakar ausgestellten nationalen Visa zwischen 2018 und 2024 von 183 auf 327. Besonders häufig werden Visa zur Familienzusammenführung vergeben. Viele bereits in Deutschland lebende Gambier holen auf diesem Weg Ehepartner oder Familienangehörige nach. Die rechtliche Situation vieler Gambier bleibt jedoch komplex. Von den 16.625 in Deutschland lebenden Gambiern verfügten im Jahr 2025 lediglich 10.280 über eine gültige Aufenthaltserlaubnis.

Mehr als 6.300 Personen hatten keinen regulären Aufenthaltstitel. Ein großer Teil von ihnen lebt mit einer sogenannten „Duldung“. Diese schützt zwar vor einer unmittelbaren Abschiebung, stellt jedoch keinen dauerhaften Aufenthaltsstatus dar und schafft oft Unsicherheit für die Betroffenen. Gleichzeitig zeigt sich eine bemerkenswerte Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Die Integration gambischer Migranten in Deutschland hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Waren 2012 lediglich rund 32 Prozent der in Deutschland lebenden Gambier offiziell beschäftigt, lag dieser Anteil 2025 bereits bei 57 Prozent. Insgesamt gingen mehr als 9.500 Gambier einer regulären Beschäftigung nach. Besonders viele arbeiten in der Industrie, im Baugewerbe, im Einzelhandel, in der Gastronomie, im Transportwesen sowie im Pflege- und Sozialbereich.

Positive Entwicklung der Integration von Gambiern in Deutschland

Positiv entwickelt hat sich dagegen die Integration gambischer Migranten in den deutschen Arbeitsmarkt. Im Jahr 2025 waren offiziell 9.513 Gambier beschäftigt. Dies entspricht 57 Prozent der gambischen Bevölkerung in Deutschland. Zum Vergleich: Im Jahr 2012 lag dieser Anteil noch bei lediglich 32 Prozent.

MigrationsexpertInnen weisen zudem darauf hin, dass Abschiebungen häufig missverstanden werden. Entgegen der verbreiteten Annahme handelt es sich bei den meisten Betroffenen nicht um Straftäter. Abschiebungen erfolgen in erster Linie aufgrund aufenthaltsrechtlicher Entscheidungen und nicht als strafrechtliche Sanktion. Diese Differenzierung spielt in der öffentlichen Debatte oft nur eine untergeordnete Rolle.  Und sogar Gambia selbst deportiert regelmässig illegale Migranten, aber darüber spricht man nicht!